Wie groß der Fachkräftemangel am Bau ist
Groß genug, dass er Aufträge verschiebt. Laut Fachkräftereport des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung am Institut der deutschen Wirtschaft (KOFA, März 2025) fehlten in der Dachdeckerei mehr als 3.000 ausgebildete Fachkräfte. Gemeint sind offene Stellen, für die es rechnerisch keine passend qualifizierten Arbeitslosen gab. Die Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit 2025 zählt 157 Berufe mit Engpass und nennt Bau- und Handwerksberufe ausdrücklich darunter.
Die Ursachen: Die starken Jahrgänge gehen in Rente, zu wenige beginnen eine Ausbildung, und manche Gesellen wandern nach einigen Jahren in andere Branchen ab. Für den Betrieb heißt das: Aufträge rutschen ins nächste Jahr, die Kolonne arbeitet am Limit, und der Chef steht wieder selbst auf dem Dach.
Warum Stellenanzeigen am Bau nicht mehr tragen
Weil die Leute, die Sie brauchen, gerade arbeiten. Ein Dachdeckergeselle mit fester Stelle liest keine Stellenbörse. Er vergleicht erst, wenn ihn ein Angebot erreicht, das konkret besser ist. Der Betrieb aus unserem Fall hatte Zeitung, Portale, Empfehlungen und Ausbildungsmessen hinter sich, ohne einen Dachdecker.
Was Baubetriebe selbst tun können
Fünf Dinge, keines braucht ein großes Budget.
Vor der Saison suchen. Wer im Herbst und Winter sucht, hat die Leute im Frühjahr eingearbeitet. Wer erst sucht, wenn die Dächer offen sind, sucht gleichzeitig mit allen anderen.
Den Alltag beschreiben, nicht die Benefits. Einsatzgebiet in Kilometern, Steildach oder Flachdach, Größe der Kolonne, Abfahrt ab Betrieb oder ab Haustür, was bei Regen passiert, eine Gehaltsspanne.
Bewerben ohne Lebenslauf. Ein kurzes Formular am Handy, ein paar Fragen, zwei Minuten.
Am selben Tag zurückrufen. Die Time to Hire zählt am Bau in Tagen. Wer sich nach einer Woche meldet, erreicht oft einen, der schon woanders zugesagt hat.
Bestand halten, Nachwuchs holen. Ausbildung mit Übernahme, Quereinsteiger als Helfer mit Aussicht auf den Gesellenbrief, verlässliche Zeiten, ordentliches Werkzeug. Fachkräfte aus dem Ausland sind ein Weg, brauchen aber Vorlauf für Anerkennung, Visum und Sprache. Weitere Wege stehen im Ratgeber Mitarbeiter finden im Handwerk.
Was wir bei Dachdeckern immer wieder sehen
Über eine Besetzung entscheiden am Dach drei Punkte, die in keiner Anzeige stehen: Führerschein, Deutsch für die Verständigung auf der Baustelle und die Bereitschaft, bei jeder Witterung zu arbeiten. Wer das schon am Telefon klärt, spart sich die Interviews, die nach zehn Minuten vorbei sind.
Und die erste Besetzung ist selten die letzte. Wer einmal einen Weg hat, der Gesellen bringt, braucht bald Vorarbeiter, Meister, Gerüstbauer und danach das Büro.
Ohne Agenturtheater: so läuft es auf der 977 Werkbank
Ihre Stelle kommt auf die 977 Werkbank und durchläuft vier Arbeitsgänge. Stelle und Markt: Wir klären am Telefon, was die Stelle bietet und wer im Umkreis dafür in Frage kommt. Ansprache und Kampagne: eine Anzeige, die den Alltag auf dem Dach zeigt, dort, wo Gesellen in der Pause aufs Handy schauen. Bewerberfluss: Jeder Bewerber bekommt am selben Tag ein Telefonat, in dem wir Führerschein, Sprache, Witterung und Eignung klären. Nachschärfen: Was nicht trägt, wird geändert, jeden Monat mit einer Auswertung.
Sie führen die Interviews, und zwar nur mit denen, die passen. Fotos, Videos oder Workshops brauchen wir nicht. Ob Ihre Stelle passt, klärt der Kurzcheck, was es ungefähr kostet, zeigt der Kostenrahmen.
Ein Fall: Dachdeckerbetrieb im Rhein Main Gebiet
35 Beschäftigte, zweite Generation, jahrelang keine Dachdecker. Nach einem Telefonat lief die Kampagne, die ersten Bewerbungen kamen am ersten Tag, im ersten Monat waren zwei Dachdecker eingestellt. Nach sechs Monaten standen 18 Einstellungen in neun Positionen, vom Gesellen bis zur Assistenz der Geschäftsführung. Den ganzen Fall lesen Sie unter Dachdecker Rhein Main, andere Branchen unter Für wen wir arbeiten.
Weitere Branchen: Produktion und Fertigung, Anlagen, Maschinen und Zulieferer, Energie, Logistik und Fuhrpark, Technische Dienstleistung, Handwerk.