Wie ist die Lage in Produktion und Fertigung?
Entspannter als vor zwei Jahren, aber nicht entspannt. Laut Jahresrückblick 2025 des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung am Institut der deutschen Wirtschaft (KOFA 2026) gab es 2025 erstmals seit der Pandemie wieder mehr qualifizierte Arbeitslose als offene Stellen. Trotzdem blieb jede dritte offene Stelle für Qualifizierte rechnerisch unbesetzbar, gut 369.500 Stellen, weil Beruf, Abschluss und Region nicht zusammenpassen.
Im Verarbeitenden Gewerbe sank die Lücke 2025 weiter, vor allem weil Betriebe weniger ausgeschrieben haben. Einzelne Produktionsberufe bleiben trotzdem eng: In der Schweiß- und Verbindungstechnik wuchs die Lücke um 19,3 Prozent auf gut 5.600 Stellen, in der elektrischen Betriebstechnik waren rund 78 Prozent der offenen Stellen rechnerisch nicht zu besetzen (KOFA 2026). Die Engpassanalyse 2025 der Bundesagentur für Arbeit zählt 157 Engpassberufe nach 163 im Vorjahr, die spanende Metallbearbeitung ist nicht mehr darunter.
Die Richtung dreht gerade. Der Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe lag im vierten Quartal 2025 um 9,5 Prozent über dem Vorquartal (Statistisches Bundesamt), und viele Unternehmen rechnen für 2026 mit mehr Aufträgen und wachsenden Rekrutierungsproblemen (IW Unternehmensbefragung, beide zitiert bei KOFA 2026).
Warum Stellenanzeigen im Schichtbetrieb versanden
Weil die Anzeige auf Suchende wartet, und die Leute, die Sie brauchen, suchen nicht. Ein Maschinen- und Anlagenführer in Wechselschicht hat eine Stelle, einen Schichtplan und wenig Zeit. Er wechselt, wenn ihn ein konkret besseres Angebot erreicht: ein kürzerer Weg, ein Schichtplan, der hält.
Dazu kommt das Formular. Lebenslauf, Anschreiben und Zeugnisse passen zum Büro, nicht zu jemandem, der nach der Nachtschicht zwei Minuten am Handy übrig hat. Wer so fragt, bekommt die wenigen Bewerbungen von Leuten, die ohnehin suchen.
Chemie, Metall, Kunststoff, Lebensmittel: vier verschiedene Märkte
Produktion und Fertigung ist kein einheitlicher Arbeitsmarkt. In der Chemie und bei Reinigungsmittelherstellern ist der Kreis der Chemikanten klein, und die Betriebe einer Region kennen sich; wie man dort sucht, steht unter Recruiting in der Chemieindustrie. In der Metallverarbeitung sind Zerspaner derzeit leichter zu bekommen als Schweißer, mehr dazu unter Fachkräfte für die Metallverarbeitung.
Kunststoffverarbeiter suchen vor allem Verfahrensmechaniker für Spritzguss und Extrusion, oft für Anlagen, die rund um die Uhr laufen. In der Lebensmittelherstellung wuchs die Fachkräftelücke 2025 gegen den Trend um 5 Prozent auf gut 1.600 Stellen (KOFA 2026); gesucht werden dort Leute für Linie und Technik, häufig mit Wochenendschicht.
Was Sie als Betrieb selbst tun können
Vier Dinge kosten kein Werbebudget, sondern Klarheit:
- Das Schichtmodell genau nennen: Rhythmus, Wochenenden, Zuschläge, was mit Überstunden passiert. "Schichtbereitschaft erwünscht" überzeugt niemanden.
- Das Einzugsgebiet ehrlich ziehen: Wer 40 Minuten zur Frühschicht fährt, steht sehr früh auf. Die Region um Ihr Werk ist Ihr Arbeitsmarkt, nicht ganz Deutschland.
- Anforderungen auf Können statt Abschluss schreiben: Das KOFA rät zu Quereinstieg und Teilqualifikation. Es weist auch darauf hin, dass Personal aus dem Stellenabbau anderer Unternehmen oft schon qualifiziert ist und schnell eingearbeitet werden kann.
- Am selben Tag anrufen: ein Zuständiger, ein fester Zeitpunkt am Tag.
Fachkräfte aus dem Ausland sind ein Weg für die lange Frist; die Anerkennungsverfahren nennt selbst das KOFA zu langsam.
Wie es auf der 977 Werkbank läuft
Ihre Stelle kommt auf die 977 Werkbank und durchläuft vier Arbeitsgänge. Stelle und Markt: was die Schicht wirklich verlangt und was Werke im Umkreis bieten, beschrieben unter Recruiting Strategie für eine Stelle. Ansprache und Kampagne: Anzeigen am Handy, dort, wo Ihre künftigen Mitarbeiter ohnehin unterwegs sind. Bewerberfluss: Jeder Bewerber bekommt am selben Tag ein Telefonat, in dem Schicht, Weg und Qualifikation geklärt werden. Nachschärfen: laufend, nach dem, was in den Telefonaten rauskommt.
Sie führen die Interviews, sonst nichts. Keine Fotos, kein Workshop, kein Agenturtheater. Der Preis setzt sich aus Aufsetzen, monatlicher Betreuung und Werbebudget zusammen; eine erste Einschätzung für Ihre Stelle gibt der Kostenrahmen.
Ein Fall aus der Chemie
Ein Chemiebetrieb in Süddeutschland mit 80 Beschäftigten hatte Zeitung, Portale, Mitarbeiter werben Mitarbeiter und Ausbildungsmessen hinter sich, Servicetechniker kamen keine. Nach zwei Monaten hatte der erste unterschrieben. Über 18 Monate wurden es 22 Einstellungen quer durchs Haus, darunter Chemikanten, Chemiemeister und Laborfachkräfte.
Was man erst sieht, wenn man mit Schichtbetrieben arbeitet
In der Produktion ist eine Stelle selten einmal besetzt. Im Chemiefall läuft die Kampagne seit 18 Monaten, weil die Technikerstelle immer wieder frei wird. Wer jede Besetzung als Projekt mit Enddatum behandelt, fängt jedes Mal bei null an.
Die zweite Beobachtung: Wenn die schwerste Stelle einmal läuft, folgt der Rest. Im selben Betrieb kamen nach den Technikern Vertrieb, Verwaltung und HR dazu, ohne neuen Anlauf. Die Anzeige, die trug, sprach über den Alltag der Techniker, nicht über Gehaltsversprechen.
Stellen und Nachbarbranchen
Eigene Seiten haben die Stellen, mit denen Produktionsbetriebe am häufigsten kommen: Chemikant, Verfahrensmechaniker, Industriemechaniker, Elektroniker für Betriebstechnik, Mechatroniker und Produktionsmitarbeiter. Instandhalter folgen.
Nah dran sind Anlagen, Maschinen und Zulieferer und die Energie. Alle Branchen stehen unter Für wen wir arbeiten.