Für wen Sie schreiben
Nicht für die Personalabteilung und nicht für die Geschäftsführung, sondern für einen Menschen: zum Beispiel den Anlagenführer, der seit sechs Jahren bei einem Wettbewerber in Wechselschicht steht, 35 Minuten Anfahrt hat und abends am Handy durch den Feed wischt. Er sucht nicht aktiv. Er würde wechseln, wenn Schicht, Lohn oder Weg besser sind und der Wechsel keinen Aufwand macht.
Schreiben Sie diesen Menschen auf, bevor Sie die erste Zeile schreiben: Beruf, Alter, heutige Arbeit, was ihn nervt, was ihn halten würde. Mehr braucht die viel zitierte Zielgruppenbeschreibung nicht. Für einzelne Berufe steht das ausführlich auf den Berufsseiten, etwa Maschinen- und Anlagenführer finden.
Der Stellentitel: das Wort, das gesucht wird
Der Titel ist das, was in Jobbörsen und Suchmaschinen gesucht wird. Also der Beruf, wie ihn die Leute selbst nennen: "Industriemechaniker", "Elektroniker für Betriebstechnik", "Chemikant". Keine Hausbezeichnungen wie "Technical Operations Specialist" und keine Sternchenwörter. Ein Zusatz, der eine echte Information trägt, darf dazu: "Industriemechaniker Instandhaltung, Frühschicht". Der Titel muss alle Geschlechter ansprechen, üblich ist der Zusatz m/w/d (siehe unten).
Die ersten drei Zeilen am Handy
Die meisten lesen eine Anzeige am Handy, und nach drei Zeilen entscheidet sich, ob weitergetippt wird. Dort gehört nicht "Wir sind ein innovatives, familiengeführtes Unternehmen", sondern das, was die Stelle von der jetzigen unterscheidet. Ein Satz zur Arbeit, ein Satz zu Schicht und Lohn, ein Satz zum Weg zur Bewerbung.
Ein Beispiel aus der Praxis, als Muster formuliert:
Vorher: "Zur Verstärkung unseres dynamischen Teams suchen wir ab sofort einen motivierten Maschinen- und Anlagenführer mit Hands on Mentalität."
Nachher: "Maschinen- und Anlagenführer für unsere Abfüllanlage in Neustadt. Zwei Schichten, kein Nachtdienst, Wochenende frei. 20,50 Euro Stundenlohn plus Schichtzulage. Melden in zwei Minuten, ohne Lebenslauf."
Der zweite Text ist kürzer, konkreter und sagt nichts, was nicht stimmt. Ort und Lohn sind hier erfunden, setzen Sie Ihre ein.
Aufbau in fünf Teilen
Eine Stellenanzeige beantwortet fünf Fragen. Die Reihenfolge ist wichtiger als die Länge.
| Teil |
Frage des Lesers |
Was hineingehört |
| Die Arbeit |
Was mache ich da den ganzen Tag? |
drei bis fünf konkrete Tätigkeiten, Maschinen, Werkstoffe, Anlagen |
| Die Bedingungen |
Was habe ich davon? |
Lohn oder Spanne, Schicht, Urlaub, Anfahrt, Zulagen |
| Die Anforderungen |
Kann ich das? |
Ausbildung, Führerschein, was wirklich nötig ist |
| Der Betrieb |
Wer sind die? |
zwei Sätze, was hergestellt wird und wie viele dort arbeiten |
| Der Weg |
Was muss ich jetzt tun? |
ein Formular, eine Telefonnummer, ein Name |
Viele Ratgeber empfehlen die umgekehrte Reihenfolge, mit dem Unternehmen vorn. Für Fachkräfte, die nicht suchen, trägt das nicht: Sie kennen Ihren Betrieb nicht und wollen zuerst wissen, ob sich das Weiterlesen lohnt.
Gehalt, Schicht, Anfahrt
Das sind die drei Fragen, die Fachkräfte in der Regel zuerst stellen, meist schon im ersten Telefonat. Wer sie in der Anzeige beantwortet, bekommt weniger, aber passendere Rückmeldungen. Das Gehalt gehört hinein, als Stundenlohn oder Spanne. Einen Anhaltspunkt für Ihren Beruf und Ihre Region gibt der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit.
Benefits sind nur so viel wert wie ihre Konkretheit. "Attraktive Vergütung" und "moderner Arbeitsplatz" liest niemand mehr. "Zuschuss zum Deutschlandticket" oder "Werkstattwagen zur privaten Nutzung am Wochenende" liest man.
Anforderungen: nur, was nötig ist
Jede Anforderung, die nicht zwingend ist, streicht Bewerber, die gepasst hätten. Trennen Sie ehrlich: Was muss jemand am ersten Tag können, was lernt er in vier Wochen? Eine abgeschlossene Ausbildung ist bei einem Chemikanten Pflicht, fünf Jahre Berufserfahrung meistens nicht. Quereinsteiger aus verwandten Berufen sind oft genau die Leute, die bleiben.
Der Weg zur Bewerbung
Ein Anschreiben schreibt kaum ein Anlagenführer gern, und er muss es auch nicht. Ein Kurzformular mit vier bis sechs Fragen, am Handy in zwei Minuten beantwortet, reicht für den ersten Kontakt. Was danach kommt, gehört zum Bewerbungsprozess: ein Anruf am selben Tag, bevor die Person bei einem anderen Betrieb unterschreibt.
Was rechtlich gilt
Ein Arbeitsplatz darf nicht diskriminierend ausgeschrieben werden (§ 11 Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz). Das betrifft Geschlecht, Alter, ethnische Herkunft, Religion oder Weltanschauung, Behinderung und sexuelle Identität. "Junges Team" oder "Muttersprache Deutsch" sind deshalb riskant; "sicheres Deutsch für Sicherheitsunterweisungen" beschreibt eine Anforderung. Die EU Entgelttransparenzrichtlinie (2023/970, Artikel 5) verlangt außerdem, dass Bewerber das Einstiegsgehalt oder dessen Spanne spätestens vor dem Interview erfahren; umzusetzen war sie bis zum 7. Juni 2026. Wer den Lohn gleich in die Anzeige schreibt, ist auf der sicheren Seite.
Die Anzeige in sozialen Netzen ist ein anderer Text
In der Jobbörse liest jemand, der sucht. Im Feed von Facebook oder Instagram sieht die Anzeige jemand, der gerade etwas ganz anderes tut. Dort braucht es ein Bild aus dem Betrieb, einen Satz, der die Alltagssituation der Fachkraft trifft, und einen einzigen Knopf. Die fünf Teile oben stehen dann auf der Zielseite, nicht im Anzeigentext. Wie so eine Recruiting Kampagne in sozialen Netzen aufgebaut wird, steht dort. Mit welchen Posten Sie dabei rechnen müssen, zeigt der Ratgeber was Recruiting kostet.
Und: Eine Anzeige ist nie fertig. Zwei oder drei Fassungen gegeneinander laufen lassen, nach einer Woche die schwächere tauschen. Auf der 977 Werkbank ist das ein eigener Arbeitsgang.
Ein Fall aus der Chemie
Ein Chemiebetrieb in Süddeutschland mit 80 Beschäftigten suchte jahrelang Servicetechniker, über Zeitung, Portale und Empfehlungen, ohne Erfolg. Die neue Anzeige ging auf den Alltag der Techniker ein, nicht auf Gehaltsversprechen. Der erste Servicetechniker unterschrieb nach zwei Monaten, über 18 Monate kamen 22 Einstellungen quer durch das Haus zusammen. Der Fall steht unter Chemie, Süddeutschland.
KI als Werkzeug, nicht als Autor
Ein Sprachmodell schreibt in Sekunden eine Anzeige, und sie klingt wie alle anderen, weil es aus allen anderen gelernt hat. Nützlich ist es für den zweiten Schritt: einen Entwurf auf Floskeln prüfen, auf diskriminierende Wörter, auf Länge. Die Fakten zu Schicht, Lohn und Anlage muss ein Mensch liefern, der den Betrieb kennt.
Checkliste vor dem Veröffentlichen
- Steht der Beruf im Titel so, wie Fachkräfte ihn nennen?
- Sagen die ersten drei Zeilen Arbeit, Bedingungen und Weg?
- Steht Lohn oder Spanne drin?
- Ist jede Anforderung wirklich nötig?
- Kommt man ohne Lebenslauf in zwei Minuten zur Bewerbung?
- Ruft jemand am selben Tag zurück?
Was der Markt dazu zeigt
In der Messung vom 24.09.2026 stehen zu "stellenanzeige schreiben" sieben vergleichbare Texte unter den ersten zehn Treffern, im Mittel rund 1.400 Wörter, ohne KI Übersicht. Fast alle beginnen den Aufbau mit dem Unternehmen und behandeln die Anzeige als Text für die Jobbörse. Keiner unterscheidet zwischen einer Anzeige für Suchende und einer für Fachkräfte im Feed, die nicht suchen. Weitere Themen stehen im Ratgeber.