Wie groß ist der Fachkräftemangel in der Energiewirtschaft?
Groß genug, dass er Projekte verschiebt. In einer Kurzumfrage des Branchenverbands BDEW unter 157 Unternehmen der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW 2024) nannten 85 Prozent Verzögerungen bei der Energiewende als Folge der Personallage. Ausgeschriebene Stellen blieben im Schnitt knapp 16 Wochen offen, für die folgenden zwei Jahre rechneten die Betriebe mit gut 23 Wochen. Den Mangel sahen gut zwei Drittel bei Fachkräften mit Berufsausbildung und mehr als die Hälfte bei Meistern.
Der Arbeitsmarkt insgesamt hat sich seitdem entspannt, in den Elektroberufen bleibt es eng. Laut Jahresrückblick 2025 des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung am Institut der deutschen Wirtschaft (KOFA 2026) sank die Fachkräftelücke über alle Berufe um knapp ein Viertel. In der elektrischen Betriebstechnik blieben trotzdem rund 78 Prozent der offenen Stellen rechnerisch unbesetzbar, gut 13.000 Stellen. Und wer Elektroingenieure sucht, konkurriert mit Großunternehmen, die dort mehr als die Hälfte der offenen Stellen auf sich vereinen.
Warum die Stellenanzeige in der Energiebranche wenig bringt
Weil der Techniker, den Sie brauchen, schon eine Stelle hat, und weil drei Branchen gleichzeitig um ihn werben. Derselbe Elektroniker wird vom Stadtwerk gesucht, vom Batteriewerk im Nachbarort und vom Industriebetrieb im Gewerbegebiet. Er schaut nicht in Stellenbörsen, er wechselt, wenn ihn ein Angebot erreicht, das konkret besser ist. Was diese Fachkraft kann und was sie bewegt, steht unter Elektroniker für Betriebstechnik finden.
Dazu kommt der Ton. "Gestalten Sie die Energiewende mit" schreiben alle. Der Sinn der Arbeit beantwortet nicht, wie oft Bereitschaft ist, wie weit das Einsatzgebiet reicht und was am Monatsende steht.
Was Energieunternehmen selbst tun können
Bereitschaft konkret nennen. Wie viele Wochen im Jahr, wie vergütet, wie lang die Anfahrt zur Störung. Für Techniker in Netz und Anlagenbetrieb entscheidet das über den Feierabend.
Das Gehaltsband zeigen. Tarif oder nicht, Zuschläge für Schicht und Bereitschaft. Eine Spanne in der Anzeige erspart beiden Seiten ein Interview, das nicht passt.
Auf Können statt Abschluss schreiben. Wer aus dem Elektrohandwerk oder der Industrie kommt, kennt Schaltschrank und Schutzmaßnahmen; die Anlage lernt er bei Ihnen. Das KOFA rät ausdrücklich, Anforderungen stärker an Kompetenzen auszurichten als an formalen Abschlüssen.
Selbst ausbilden und den Meister bezahlen. Der Engpass sitzt bei Berufsausbildung und Meisterbrief. Wer dort investiert, hat in fünf Jahren die Leute, die heute fehlen.
Am selben Tag anrufen. Ein Kurzformular ohne Lebenslauf, ein Zuständiger, ein fester Zeitpunkt am Tag für die Rückrufe.
Fachkräfte aus dem Ausland sind ein Weg für die lange Frist; das KOFA fordert dafür einfachere und schnellere Anerkennungsverfahren.
Wie es auf der 977 Werkbank läuft
Ihre Stelle kommt auf die 977 Werkbank und durchläuft vier Arbeitsgänge. Stelle und Markt: was die Stelle verlangt und wer im Umkreis dieselben Leute sucht. Ansprache und Kampagne: Anzeigen in sozialen Netzen, dort, wo Techniker in der Pause aufs Handy schauen; den Aufbau beschreibt die Recruiting Kampagne. Bewerberfluss: jede Bewerbung bekommt am selben Tag ein Telefonat zu Qualifikation, Wohnort, Bereitschaft und Starttermin. Nachschärfen: Anzeigen, die nachlassen, werden getauscht, jeden Monat mit einer Auswertung, an der Sie sehen, ob es trägt.
Von Ihnen brauchen wir höchstens 90 Minuten Geschäftsführung in acht Wochen, keine Fotos und kein Agenturtheater. Die Interviews führen Sie.
Batterieproduktion: Schichtbetrieb an neuen Anlagen
Batteriewerke brauchen Schichtpersonal für Anlagen, die in Deutschland noch neu sind; Erfahrung mit genau dieser Technik bringt kaum jemand mit. Gesucht wird, wer eine Anlage im Schichtbetrieb sicher fährt und wartet: Anlagenführer, Mechatroniker, Chemikanten, Elektroniker. Die Anzeige nennt Schichtrhythmus und Einarbeitung, nicht die Zellchemie.
Erneuerbare Energien: draußen im Einsatzgebiet
Wind, Solar und Speicher brauchen Leute, die draußen arbeiten: Servicetechniker für Windenergieanlagen, Monteure für Solarparks, Elektroniker für die Inbetriebnahme. Hier entscheiden Einsatzgebiet, Reisetage und Arbeit in der Höhe. Wer Montagewochen verlangt, schreibt das in die erste Zeile.
Solaranlagen auf Wohnhäusern und die Elektro- und SHK-Betriebe dahinter gehören zum Handwerk. Wie diese Betriebe Monteure finden, steht im Teil Energie und Gebäudetechnik unter Mitarbeiter finden im Handwerk.