Ratgeber

Fachkräftemangel nach Branchen:
wo es fehlt und was das für Ihre Stelle heißt

Die Statistik zählt Branchen. Sie suchen einen Menschen.

Hier stehen die Branchen mit dem größten Fachkräftemangel, die Zahlen dahinter und was sie für einen Betrieb aus der Industrie bedeuten.

Ein großes Balkendiagramm aus Industriesymbolen, ein Werksleiter misst den höchsten Balken mit dem Zollstock
Kurz gesagt

Die größte Fachkräftelücke hatte 2024 laut Institut der deutschen Wirtschaft das Gesundheitswesen mit gut 46.100 rechnerisch nicht besetzbaren Stellen, vor dem Ausbaugewerbe mit Elektro und SHK (41.300) und der öffentlichen Verwaltung (37.600). Unter den zehn Branchen mit den größten Lücken stehen zwei aus der Industrie: die Herstellung von Metallerzeugnissen mit knapp 18.500 und der Maschinenbau mit knapp 16.800 Stellen. Die Bundesagentur für Arbeit zählt für 2025 insgesamt 157 Engpassberufe, vor allem in Pflege und Medizin, in Bau und Handwerk und bei Berufskraftfahrern.

Welche Branchen den größten Fachkräftemangel haben

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat im November 2025 zum ersten Mal ausgerechnet, wie sich der Fachkräftemangel auf die Branchen verteilt. Gezählt wird die Fachkräftelücke: offene Stellen, für die es bundesweit keine passend qualifizierten Arbeitslosen gab. Das Ergebnis für den Jahresdurchschnitt 2024:

Branche Offene Stellen Fachkräftelücke
Gesundheitswesen 87.792 46.138
Ausbaugewerbe und Bauinstallation 88.458 41.293
Öffentliche Verwaltung 78.123 37.639
Einzelhandel 100.263 26.929
Sozialwesen 48.047 26.426
Herstellung von Metallerzeugnissen 40.979 18.480
Kfz Handel und Werkstätten 38.255 17.957
Maschinenbau 35.251 16.764
Heime 26.930 16.430
Rechts- und Steuerberatung 29.586 13.965

Zusammen sind das gut 262.000 Stellen, die rechnerisch niemand besetzen konnte. Pflege und Soziales führen die Liste an, aber drei Zeilen gehören dem technischen Mittelstand: Metallerzeugnisse, Maschinenbau und das Ausbaugewerbe, in dem Elektro und SHK zu Hause sind.

Industrie, Produktion und Energie: wo es dort fehlt

In der Herstellung von Metallerzeugnissen fehlten 2024 knapp 18.500 Fachkräfte, im Maschinenbau knapp 16.800. Die Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit (BA) für 2025 zeigt, welche Berufe dahinter stehen: Berufe im Metallbau gelten auf Ebene der Fachkräfte als Engpassberuf, auf Ebene der Meister und Techniker die Elektrotechnik und die technischen Servicekräfte für Wartung und Instandhaltung. Was das für Werke mit Schichtbetrieb heißt, steht unter Recruiting in Produktion und Fertigung, für Hersteller und Zulieferer unter Fachkräfte für Maschinen- und Anlagenbau.

Der Trend zeigt nach oben. Im Fachkräftereport des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA) für März 2026 stehen Schweiß- und Verbindungstechnik, spanende Metallbearbeitung, Metallbau sowie Maschinenbau- und Betriebstechnik unter den Berufen, in denen die Lücke am stärksten gewachsen ist. Das IW verbindet das mit dem Sondervermögen für Verteidigung und Infrastruktur und mit dem ökologischen Umbau der Wirtschaft, und das mitten in einer Phase, in der die Metall- und Elektroindustrie insgesamt unter Druck steht.

Ein Punkt steht nur im Methodenteil des IW Reports und betrifft die Industrie direkt. Viele Stellen für Mechatroniker (4.045) und Elektroniker für Betriebstechnik (3.202) meldeten 2024 nicht die Werke selbst, sondern Gesellschaften, die als Unternehmensverwaltung oder Personaldienstleister eingeordnet sind. Das IW schreibt, dass der Bedarf der eigentlichen Branchen dadurch tendenziell unterschätzt wird. Die Rangliste zeigt die Industrie also eher zu klein.

Für die Chemie und die Energie gibt es keine eigene Zeile unter den ersten zehn. Das IW nennt Chemikanten aber als Beispiel für einen Kernberuf, an dem die Produktion einer ganzen Branche hängt: fehlen sie, steht die Anlage. In der Energie läuft der Mangel über die Elektroberufe; wo es dort knapp wird, steht unter Fachkräftemangel in der Energiewirtschaft. Kunststoff und Lebensmittel tauchen in den Ranglisten nicht auf, suchen aber dieselben Maschinen- und Anlagenführer, Mechatroniker und Elektroniker wie der Rest der Industrie.

Handwerk, Bau und Logistik

Das Ausbaugewerbe hat die zweitgrößte Lücke aller Branchen. Drei Berufe tragen dort mehr als die Hälfte: Bauelektrik mit 10.496 fehlenden Fachkräften, Sanitär, Heizung und Klima mit 8.648, Dachdeckerei mit 2.758. In der BA Analyse für 2025 kommt die Bauelektrik auf 2,7 Punkte, so viel wie die Pflegeberufe. Wie Handwerksbetriebe damit umgehen, steht im Ratgeber Fachkräftemangel im Handwerk.

In der Logistik ist der Engpass ein Beruf: Berufskraftfahrer im Güterverkehr kommen bei der BA auf 2,5 Punkte, ebenso die Berufe in der Kraftfahrzeugtechnik.

Wie Fachkräftemangel gemessen wird

Die zwei Quellen messen Verschiedenes. Die BA fragt, ob ein Beruf knapp ist. Sie bewertet 1.236 Berufsgattungen mit sechs Indikatoren: Vakanzzeit, Verhältnis von Arbeitsuchenden zu Stellen, berufsspezifische Arbeitslosenquote, Abgangsrate aus Arbeitslosigkeit, Entwicklung der mittleren Entgelte und Veränderung des Anteils ausländischer Beschäftigter. Ab 2,0 Punkten gilt ein Beruf als Engpassberuf, zwischen 1,5 und 2,0 steht er unter Beobachtung. Für 2025 sind 157 Berufe knapp, 13 Prozent aller bewerteten, weitere 161 stehen unter Beobachtung, bei 201 gibt es keine Anzeichen.

Das IW fragt, wie viele Fachkräfte fehlen. Grundlage sind Sonderauswertungen der BA und die IAB Stellenerhebung, gerechnet für knapp 1.300 Berufe und seit 2025 auch nach Branchen. Wer wissen will, wo es knapp ist, liest die BA. Wer wissen will, wie groß die Lücke ist, liest das IW.

Mangel trotz Arbeitslosigkeit

Die BA schreibt für 2025 ausdrücklich, dass es keine Belege für einen allgemeinen Arbeitskräftemangel gibt. In etlichen Berufen gibt es deutlich mehr Arbeitsuchende als Stellen. Der Mangel sitzt in bestimmten Berufen, und dort passt das Angebot nicht zur Nachfrage: 49 Prozent der gemeldeten Stellen für Fachkräfte betrafen Engpassberufe, aber nur 20 Prozent der arbeitslosen Fachkräfte suchten in einem solchen Beruf.

Das KOFA kommt für März 2026 auf rund 357.000 rechnerisch nicht besetzbare Stellen, obwohl es mehr qualifizierte Arbeitslose und weniger offene Stellen gab als im Vorjahr. Für einen Werksleiter heißt das: Die Leute, die er braucht, stehen nicht bei der Arbeitsagentur. Sie haben einen Arbeitsplatz.

Warum es in diesen Branchen eng bleibt

Vier Gründe wirken zusammen. Erstens die Demografie: Die geburtenstarken Jahrgänge gehen in Rente, und aus jedem Jahrgang kommen weniger nach. Zweitens die Ausbildungsdauer: Das IW weist darauf hin, dass Engpässe umso länger halten, je länger die Qualifizierung dauert. Einen Industriemechaniker oder Elektroniker für Betriebstechnik bildet niemand in sechs Monaten aus. Drittens die Region: Offene Stellen und Arbeitsuchende liegen oft nicht in derselben Gegend, und Schichtarbeit schränkt ein, wer pendeln kann. Viertens die Konkurrenz zwischen den Branchen: Ein Elektroniker kann im Werk, beim Energieversorger, beim Anlagenbauer oder im Elektrohandwerk arbeiten. Alle greifen auf dieselben Leute zu.

Wo die Lücke wächst und wo sie schrumpft

Die Zahl der Engpassberufe sinkt seit drei Jahren: 183 im Jahr 2023, 163 im Jahr 2024, 157 im Jahr 2025. Für 2025 fand die BA unter anderem in der spanenden Metallbearbeitung, bei technischen Servicekräften auf Fachkraftebene und bei Speditionskaufleuten keinen Engpass mehr. Das KOFA sieht im März 2026 dagegen gerade in der spanenden Metallbearbeitung wieder einen Zuwachs. Das ist kein Widerspruch: Die BA beschreibt ein Jahr schwacher Konjunktur, das KOFA einen Monat, in dem die ersten Aufträge aus den Investitionsprogrammen ankommen. Die Entspannung war ein Zeitfenster, keine Entwarnung.

Was die Branchenstatistik für Ihre Stelle heißt

Eine Rangliste sagt, wie schwer es im Bundesdurchschnitt ist. Ihre Stelle wird im Umkreis von 30 bis 50 Kilometern um Ihr Werk entschieden. Dort gibt es den Mechatroniker, den Sie suchen, fast immer: Er arbeitet nur bei einem anderen Betrieb, liest keine Stellenbörse und wechselt, wenn ihm ein konkretes Angebot begegnet, das besser passt als sein jetziges.

Daraus folgen drei Dinge. Die Anzeige muss dort laufen, wo diese Leute ohnehin sind, und so klingen, als hätte sie jemand aus der Halle geschrieben; wie das aussieht, steht unter Stellenanzeige schreiben. Die Bewerbung muss in zwei Minuten am Handy gehen, mit einem Kurzformular statt Lebenslauf. Und jede Rückmeldung wird am selben Tag ein Telefonat, bevor der Bewerber beim nächsten Betrieb zusagt. Welche Wege es sonst gibt und was sie leisten, vergleicht der Ratgeber Recruiting Methoden. Auf der 977 Werkbank ist genau das der Ablauf, von der Stelle über die Recruiting Kampagne bis zur Vorqualifizierung am Telefon.

Daneben bleiben die langen Hebel: selbst ausbilden, Quereinsteiger anlernen, Fachkräfte aus dem Ausland einstellen, Leute weiterbilden und die halten, die man hat. Sie wirken, aber in Jahren, nicht in Wochen.

Wie das in der Praxis aussieht, zeigt ein Chemiebetrieb in Süddeutschland mit 80 Beschäftigten. Gesucht waren Servicetechniker für Heizung und Klima, Chemikanten, Chemiemeister und Laborfachkräfte, nach Jahren mit Zeitung, Portalen und Mitarbeiterwerbung. Der erste Servicetechniker hatte nach zwei Monaten unterschrieben, nach 18 Monaten standen 22 Einstellungen, quer durch den Betrieb. Der Fall steht unter Chemie, Süddeutschland.

Was der Markt dazu zeigt

In der Messung vom 24.09.2026 stehen zum Begriff "fachkräftemangel branchen" 70 Suchen im Monat und eine Schwierigkeit von 34. Auf der ersten Ergebnisseite finden sich Institute, ein Statistikportal, die Arbeitsagentur, eine Gewerkschaft, eine Beratung und Nachrichten. Sie erklären Zahlen, Ursachen und politische Wege: Zuwanderung, Weiterbildung, bessere Arbeitsbedingungen. Keine sagt, dass die Industrie in der Statistik eher zu klein erscheint, und keine übersetzt die Rangliste in das, was ein einzelner Betrieb nächste Woche tun kann. Beides steht hier.

Autor: Robin Steinheimer, Gründer von 977.works, seit 2003 im Online Marketing für den technischen Mittelstand, seit 2020 ausschließlich Fachkräftegewinnung. Stand: 25.09.2026.

Quellen: Institut der deutschen Wirtschaft, IW-Report "Berechnung von Fachkräfteengpässen nach Wirtschaftszweigen" (November 2025, Daten 2024); Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Fachkräfteengpassanalyse 2025 (Mai 2026); Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung, KOFA Kompakt 5/2026, Fachkräftereport März 2026; Suchmarktmessung 977.works über DataForSEO vom 24.09.2026. Fallzahlen von der Fallseite Chemie, Süddeutschland.

Häufige Fragen

Was Menschen uns vor dem ersten Anruf fragen.

Welche Branche hat am meisten Fachkräftemangel?

Nach der Fachkräftelücke des IW für 2024 das Gesundheitswesen mit gut 46.100 rechnerisch nicht besetzbaren Stellen. Aus der Industrie stehen die Herstellung von Metallerzeugnissen und der Maschinenbau unter den ersten zehn.

Welche Gründe führen zu einem Fachkräftemangel?

Weniger Nachwuchs als Renteneintritte, lange Ausbildungszeiten, Stellen und Arbeitsuchende in verschiedenen Regionen und Branchen, die um dieselben Berufe konkurrieren. Ein allgemeiner Mangel an Arbeitskräften ist das laut BA nicht, sondern ein Mangel in bestimmten Berufen.

Wie wirkt sich der Fachkräftemangel auf die Arbeitsbedingungen und Gehälter aus?

Die BA wertet steigende mittlere Entgelte in einem Beruf als eines von sechs Anzeichen für einen Engpass. Wer in einem knappen Beruf sucht, konkurriert also auch über Gehalt, Schichtmodell und Weg zur Arbeit, und das muss in der Anzeige stehen.

Welche Rolle spielt das Anwerben von Fachkräften aus dem Ausland?

Seit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz ist der Weg für Fachkräfte mit anerkannter Ausbildung einfacher geworden. Für einen mittelständischen Betrieb bleiben Anerkennung, Sprache und Wohnung aber Monate an Arbeit; als schnelle Lösung für eine offene Stelle taugt es selten.

Gibt es Branchen ohne Fachkräftemangel?

Ja. Die BA sieht 2025 in 201 bewerteten Berufen keine Anzeichen für einen Engpass, und in etlichen Berufen gibt es deutlich mehr Arbeitsuchende als Stellen. Der Mangel ist konzentriert, nicht flächendeckend.

Robin Steinheimer lehnt rechts an einem breiten Rolltor aus Metall

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